Mundart

 

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Alter Neujahrsbrauch

Artikel von Klaus Kempf

„Paffer, pfaffer heuer

Nach altem Brauch wünschen die Kinder Großeltern und anderen Verwandten am Neujahrsmorgen Glück 

für das Neue Jahr, indem sie diese mit einem kleinen Rutenstrauß „fitzen“ und dazu ein Gedicht aufsagen.

Ich selbst muss zugeben, dass ich nie ein Freund dieses Brauchs war. Einmal lag dies wohl daran, dass ich nicht gerade zu den Frühaufstehern gehöre und am Neujahrsmorgen schon gar nicht. Zum anderen waren mir die „Pfaffersprüch“, die man mir als Kind beibrachte, schon damals einfach zu dumm.

Einer davon ging so:

„Paffer, pfaffer heuer

dä Branntewein is teuer,

schenk mä noch a Glasla ai,

will ich mit zäfriedn sai.“

Es wollte mir schon als Kind nicht einleuchten, was dieser Spruch mit einem Neujahrswunsch zu tun haben soll. So weigerte ich mich, so bald ich alt genug war, weiter zu „pfaffern“

Doch, zu meiner Verblüffung, waren die Großeltern und auch jüngere Verwandte ganz entzückt, als ich – mehr oder weniger als Gag – mit meinen Kindern fast 30 Jahre später zum „Pfaffern“ erschien. Und sie waren enttäuscht, dass meine Kinder in meine Fußstapfen traten und sich nach zwei, drei Versuchen weigerten, den Brauch weiter zu pflegen.

Als ich mit meinen Kindern zum „Pfaffern“ ging, hatten wir als „Pfafferrütla“ ein paar kleine Zweige mit einer roten Schleife zusammengebunden. Meist waren sie von der „Kätzchenweide“ geschnitten, von kleinen „Palmkätzchen“ geziert. Der „Gepfefferte“ konnte sie nach der Zeremonie in eine Vase stellen und austreiben lassen.

Da meine Kinder nur schwerlich zu überzeugen gewesen wären, ein Gedicht in Mundart aufzusagen – s`war so schon mühselig genug – musste ich mir ein paar Verse in „hochdeutscher“ Mundart einfallen lassen.

Einer, der dem Opa galt, aber besonders bei der Oma auf große Zustimmung stieß, ging so:

„Ich pfaffer dich mit Palmen,

du sollst nicht so viel qualmen,

des tut dir gar net gut,

fürs neue Jahr viel Mut.“

Ein Vers, der denen meiner Kindheit nachempfunden war, lautete:

„Pfaffer, pfaffer, heuer,

des Jahr is dou, des neua.

Ich wünsche dir von Herzensgrund:

Bleib immer heiter und gesund.“

 

Gern gehört war folgender Vers:

„Ich pfaffer dich mit Haslnuss,

und geb dir gleich an Neujahrskuss.

Bleib fröhlich und gesund

Jetz, und im Jahresrund.“

Diese Verschen sind jetzt auch schon fast 35 Jahre alt, aus den „Pfaffer-Kinnern“ sind Erwachsene geworden. Wer weiß – vielleicht entdecken sie ja irgendwann einmal doch noch das alte Brauchtum und ich bins, der „gepfaffert“ wird ?

Klaus Kempf

Anmerkung der WebRedaktion:

Was ist eigentlich Pfaffer, sicherlich nicht das Gewürz – Pfeffer –

Vielleicht ähnlich wie beim Ausspruch „dou hosda dein Pfaffer“

Hier entspricht das Wort „Pfaffer“ offenbar dem Ausdruck „Tatsache“

Wer kann eine Erklärung für „Pfaffer“ im Neujahrsbrauch geben?

Bitte ein Mail an: klaus.koehler01@freenet.de

oder über: Startseite/Verein/Kontakt

Danke für die Mitarbeit!

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Gedicht von Klaus Kempf: Bal gedd`s widder naiwerds

Fotos: Klaus Köhler

 

 

Bal gedd`s widder naiwerds

Wenn bei der Rohrbocher Kerwa

die Dahlien blühn,

die Schützn mit Böllerkrach

durchs Dörfla ziehn,

Gurkenwenn die Gargn aufm Markt

fast nex mehr kostn,

die Obstbauern im Kelterhaus

die erschtn Öpfl vermostn,

wenn auf die Falder

bluäs Schdupfl noch schtenna,

hie un dou scha

a boar Aröpflfeuer brenna,

wenn mä a Schdügg schwarza

Beerkuchn käfft,

un nouchert mit eener

blaun Guschn rümläfft,

Traubenwenn die Schwalm sich haufnsweis

auf die Dreit draufhoggn,

die Weidräubl scha blitschblaa

zum Ouzupfn loggn,

 

 

 

 

 

 

Sonnewenn die Sunn ooms nümmer

su huäch am Himml stedd –

dou wesst da,

dess`s ball widder aus an annern Fassla gedd.

Bilder vergrößern – KLICK auf Bild

 

 

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Leberbluemchen HV

Gedicht von Klaus Kempf

Nauswärds gedds

Wenn Laaberblümla sich noch untä Bladdla västeggn

Ouä scha neugiirich die blaua Köpfla naus streggn,

Wenns am Südhang luäsgedd, äs kreucht un fleucht,

Forsythie glitschgalb aus dä Heggn rausleucht,

Wenn dä Buchfink im Raisich sai erschts Vaaschla aaschlächt

Un auf an huäln Astla drummlt a Spächt,

Wenn die Humml aus iirn Aadluach raus brummt

Auf an Schluck Nektaä zum Märznbechä summt,

Wenn a Faltä, giisgalb, wie a Zitron

Dich bainaa strääft – dann is ä dävon,

Wenn belzicha Bätzla an die Weidn

Dich zum Naastraichln verlaidn,

Wenn in dä Früh noch die Kelt licht im Grund

Un trotzdem: Swärd ümmer mehr bunt!

Wenn dä Bouch lustich batscht, väbai is dä März,

is a ganz äächena Luft: Äs gedd nauswärds !

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Hundsdouch

Die Fraa im Wellness-Sender flöided.
Ich denk: Die is woll ganz verblöided.

Hundtouch 1

„Endlich Sommer! Sechunddreißig Grad im Schatten!“
Ich denk: Mist, widder Gießn in mein Gardn.

„Schön warm,“ jauchzd sa ins Migrofon.
Ich denk: Un wos is mid Ozon?

„Baggersee, Biergarten!“ drällerd sa rum.
Ich denk: Bleibst in dä kaldn Schdumm.

Da kämen dann auch die Gefühle!
Ich denk: Woll kaum, bei darer Schwüle.

A Sambaliedla setzd sa drauf.
Ich denk: Dürn zu, Fanster ooms erschd auf.

Schenk mä dänouch an Ruädn ei
un loss in Herrgodd an gudn Maa sei,

gänieß die Keld, pfeuf auf die Tussi
stopf mä a Pfeufla mid San Sussi. 1)

Klaus Kempf 2001, überarbeitet 2015

1) Tabakmarke „Sans Soussi“, übersetzt: sorgenfrei

Anmerkung der Redaktion (1. v. l.)

Es geht aber auch so – ein Platz ist noch frei!

Hundtouch 4